Janusz Czech
 

Funny Games

Installation 250 x 230 cm ( Tapetenmaß ist variabel)

Tapeten-Collage, Fotografie, Schallplatte, Dokumente
Video-Collage (Der US-Präsident begrüßt 
im Weißen Haus den Saudi-Arabischen Kronprinzen  und verkündet erfolgreiche Deals über Militärausrüstung / Donald Trump beim Säbeltanz im saudischen Königshaus) 

In einer Rede am amerikanischen Unabhängigkeitstag am 4.Juli 2019 behauptete der amerikanische Präsident Donald Trump, US-Unabhängigkeitskämpfer hätten «die Kontrolle über Flughäfen übernommen»– im Juni 1775, als es weltweit weder Flugzeuge noch Flughäfen gab: «Die Armee war in der Luft, sie rannte gegen Befestigungsanlagen an, sie erkämpfte Flughäfen, sie machte alles, was zu machen war», Im sozialen Netzwerken haben daraufhin User ironische Collagen gepostet in dem sie Flugzeuge in historische Bilder einmontiert haben.

Diese wurden als Motive für die Tapete verwendet.

Funny Games hinterfragt die Grenzen der Vereinbarkeit von Rechtsstaatlichkeit und ökonomischen Interessen. Sie hinterfragt die Verstrickungen  einzelnen Interessen der demokratischen Staatsrepräsentanten in der Zusammenarbeit mit autokratischen Herrschern.

Gleichzeitig wird die Frage aufgeworfen ob diese Zusammenarbeit im Sinne der  Allgemeinheit und der Verfassung  überhaupt sein darf, wie ein gewählter Vertreter eines demokratischen Staates diese legitimieren kann und wie er zur Verfassungsrechtlichen  und historischen Verantwortung steht. 








Kenotaph Culture

Rauminstallation 300 x 400 x 200 cm
5 Leuchtkastenobjekte, jeweils 40 x 48 x 10 cm



Die Rauminstallation "Kenotaph Culture" bezieht sich auf französische U-Boot-Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg, wie sie heute noch in Bordeaux, Brest, La Rochelle-La Pallice, Lorient und St. Nazaire zu finden sind. Obwohl die Städte am Ende des Weltkriegs alle durch Bombardierungen schwer beschädigt wurden, blieben die Bunker nahezu unbeschädigt bestehen. Wegen ihrer massiven Bauweise und ihrer Größe sind diese Stahlbeton-Architekturen entweder unzerstörbar oder nur durch einen immensen Aufwand abzutragen. Sie sind unverrückbar präsent und dadurch zu unbeabsichtigten Mahnmalen geworden, die das Bild der Städte bis heute prägen. Unausweichlich sind sie ein Teil des Stadtbildes, das die Bewohner_innen vor die Herausforderung stellt mit ihnen leben zu müssen. Sie erscheinen wie monumentale, leere Gräber, welche an einen fanatischen und grausamen Herrschaftsanspruch erinnern. Einige Bunker werden heute als kulturelle Treffpunkte genutzt, wodurch sich ihre Atmosphären verändern und ihre Symboliken überlagern.



Cross of Change

Installation

C-Prints 300 x 300 cm, Fahnen, Kreuz, Fußballtrikot


Die Installation besteht aus einer mehrteiligen Fotografie der weltweit höchsten Christus-Statue, einem von einer bearbeiteten polnischen Nationalflagge umhüllten Sockel, auf dem ein mit den Regenbogenfarben der LGBT-Bewegung gefasstes Kreuz steht und einem Sporttrikot für die fiktive Nationalmannschaft des Königreichs Jesus von Polen.
Die Statue des Christus König von Świebodzin  wurde 2010 auf Initiative eines örtlichen Pfarrers ohne Baugenehmigung errichtet und sollte nach dessen Vorstellung ein neues Weltwunder werden. Die 36 Meter hohe Betonfigur überragt sogar den berühmten Cristo Redentor in Rio de Janeiro und entwickelt sich inzwischen zu einem Pilgerziel in dem stark katholisch geprägten Land. Hier treffen ausgeprägte Frömmigkeit mit den Spuren des Kommunismus in Gestalt trister Plattenbausiedlungen und dem neu eingezogenen Kapitalismus, verkörpert durch den der gigantischen Statue gegenüber liegenden Megasupermarkt mit Döner-Imbiss direkt aufeinander. Auch ein eigener Herbergs-Komplex wurde für die steigende Zahl von Besuchern und Pilgern gebaut. Dennoch haftet dem Heil versprechenden Ort eine absurde postkommunistische Tristesse an.

Die Flagge Polens, aus der auch das Fußballtrikot genäht wurde, ist durch zwei horizontale Farbstreifen gekennzeichnet. Der untere Streifen in Weiß symbolisiert Reinheit, das darüber angeordnete Rot steht für das Blut, das für die Erreichung der polnischen Unabhängigkeit vergossen wurde. In der Mitte der Flagge befindet sich ein Adler mit Krone, der bereits seit dem 13. Jahrhundert als Symbolfigur Polens gilt. In einer ersten Version existierte diese Flagge bereits seit 1919, wurde jedoch mit den wechselnden Herrschaftsverhältnissen in Polen immer wieder geändert. Als nationales Symbol der nach dem Zweiten Weltkrieg gegründeten Volksrepublik Polen wurde die Krone 1956 aus dem Wappen entfernt, mit ihrem Ende erhielt der Adler seine Krone wieder zurück. In dieser Form stellt die Flagge das heute gesetzlich anerkannte Staatssymbol Polens dar, das einerseits Mitglied der Europäischen Union ist, andererseits eine immer ausgeprägtere nationalistische Politik vertritt, bei der 2016 sogar die Inthronisation von Jesus Christus als König von Polen in Anwesenheit des Staatspräsidenten Duda stattfand.

Text: Bettina Schönfelder, Kunstverein Pforzheim


Sightseeing Serie

 

Baryt-Handabzüge, C-Prints, Hahnenmühle-Fine Art-Prints

jeweils 70 x 50 cm, jeweils Edition in der Auflage 5+1

 

 


In der derzeit 45-teiligen fotografischen Serie des Langzeitprojektes "Sightseeing" sind architektonische Wahrzeichen aus unterschiedlichen Städten der Welt auf stark reduzierte und dennoch lesbare Ausschnitte reduziert. Sie sind teils aus extremer Untersicht aufgenommen, damit der Format füllende Himmel nicht lediglich als Hintergrund fungiert, sondern auch als eigenständige Landschaftsformation quasi gleichwertig neben den symbolträchtigen Architekturen wahrgenommen werden kann und deren dominante Erscheinung relativiert. Der Begriff 'Sightseeing' ist dem modernen Tourismus entlehnt und verweist auf die Besichtigung kultureller Zeugnisse aus der Perspektive des Reisenden, der die für den Ort repräsentative Sehenswürdigkeit quasi in seine Sammlung von Reiseeindrücken aufnehmen möchte. Wegen ihrer Prägnanz dienen die zu Wahrzeichen gewordenen Architekturen heute als charakteristische Erkennungszeichen insbesondere von Metropolen und lassen dabei jedoch ihren historischen, oft schwierigen gesellschaftlichen und politischenKontext völlig in Vergessenheit geraten.



Anarchie-Tektur


Wandinstallation
Fototapeten, C-Prints, Hahnemühlen Fine Art Prints






Ausgehend von der Definition der Anarchie als Ordnung ohne Herrschaft und dem im Bauwesen üblichen Begriff der Tektur als einer Änderung bereits genehmigter Pläne hinterfragt die grafische Wandinstallation "Anarchie-Tektur" historische Architektursprachen, wie sie das Bauhaus oder die De Stijl-Bewegung geprägt haben. Zu sehen sind Bilder von Gebäuden der sog. Weißen Stadt in Tel Aviv, die in den 1930er Jahren die Ideen des Bauhauses und des Internationalen Stils im Exil weiterführten und zum Sinnbild eines jungen, modernen Staates wurden. Die Architekten dieser Gebäude waren größtenteils deutschstämmige Juden, die nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 aus Deutschland emigrieren mussten und in Tel Aviv die Utopie eines neuen Zusammenlebens bauten. Seit 2003 gehört die Weiße Stadt von Tel Aviv zum Unesco-Kulturerbe. 2000 der insgesamt 4000 Gebäude stehen unter Denkmalschutz, allerdings sind viele von ihnen sehr sanierungsbedürftig, aber dennoch ein Tourismusmagnet für heutige Archiekturreisende.

Im Dialog dazu steht die als Fototapete bearbeitete Ansicht des Stadtteils Lobeda in Jena, einer ab 1966 entstandenen Plattenbau- Trabantenstadt, in der vor allem Arbeiter des Carl-Zeiss- Kombinates leben sollten. In den ersten Jahrzehnten galt Lobeda als begehrtes Wohnviertel, das ein komfortables, modernes Leben versprach. Eingerahmt von den Primärfarben Rot, Gelb, Blau und den Nichtfarben Schwarz, Weiß und Grau die sinnbildlich für den Purismus der niederländischen De Stijl-Bewegung stehen, erweitert sich das Bild jedoch um die zerstörerischen Auswirkungen des modernen Lebens: Verkehrsprobleme, Smog, Feuer, Überschwemmung.

Text: Bettina Schönfelder, Kunstverein Pforzheim



Die Grauzone

Installation, 2 C-Prints à 135 x 200 cm

Fotografie, Collage, Zeichnung

Touchpad mit 37 Kommentaren von Nutzern der Heckler & Koch GmbH Waffensysteme


Zitat Beispiel von der Webseite:

Herr L. aus N. schreibt:

„Ich verfolge nun schon seit Anfang an die Diskussion rund um das G36 / Bundeswehr. Ich war selbst von 2002-2010 aktiver Soldat der deutschen Bundeswehr. In dieser Zeit

war ich auf unzähligen Übungsplätzen mit Gefechtsschießen, 2006 im Kosovo und 2008 in Afghanistan. Im Einsatz war das komplette Spektrum an Waffen der Bundeswehr

Ihrer Firma. Man konnte sich zu jederzeit, auch speziell auf das G36 verlassen. Im Sommer betrug die Temperatur in Afghanistan bis zu 40 Grad in der Sonne. Auch

nach über 12 Tagen Long Turn Patrol wo das G36 keinen einzigen Tropfen Waffenöl gesehen hatte, schoß die Waffe einwandfrei, genau und ohne Kompromisse. Mein Leben

und das meiner Kammeraden lag in den Händen Ihrer Produkte auf die man sich zu 100 % verlassen konnte. Seien Sie stolz auf das was Sie herstellen, den Sie haben allen

Grund dazu. Ihre Firma steht für das Qualitätssiegel „Made in Germany“.“


Als Grauzone bezeichnet man einen zweifelhaften Bereich, der nicht deutlich als legal oder illegal zu bezeichnen ist und Interpretationsspielraum besitzt.

 Die Installation „Grauzone“will die moralische Grauzone hinterfragen.




Werkbeschreibung:

Eine Fotografie einer Soldatin der norwegischen Königsgarde und eine Fotografie einer Kreuzspinne.

Darauf sind angeordnet: ein Touchpad mit 37 Kommentaren von Nutzern der Heckler & Koch GmbH Waffensysteme,

veröffentlicht auf der Firmen-Homepage als Reaktion auf die Kritik der Bundesregierung betreffend der Qualität ihrer Gewehre,

die von den deutschen Streitkräften benutzt werden; ein Zeitungsartikel über die Verteilung der Bibel an Flüchtlinge an der serbischen Grenze mit einer

Werbeanzeige der Bundeswehr:„Krisenherde löschst du nicht mit Abwarten und Teetrinken“.




Casa Fortuna

Installation, ca. 200 x 120 cm

Fotografie, Kunstleder, Holz




 



„Der Unterschied zwischen etwas, was möglicherweise kaputtgehen könnte, und etwas, was unmöglich kaputtgehen kann, besteht darin, dass sich bei allem, was unmöglich kaputtgehen kann, falls es doch kaputtgeht, normalerweise herausstellt, dass es unmöglich zerlegt oder repariert werden kann.“Aus „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams


Installation, Ø  ca. 200 cm

16 Aquarelle (je 30 x 40 cm), Drehmotor, Hula-Hoop-Reifen, aufblasbarer Wasserball ( Ø  100 cm)

Version 1/3, 2016




Ausstellungsansicht „Himmelskörper“, Städtische Galerie Pforzheim



Tip/Top

 


Objekt, Ø 200 cm,

Holz, Fotografie, Leuchtkette, Werbevideo der EU 

Hängende Version


 



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..Seine im Foyer platzierte multimediale Installation Tip/Top ist nicht nur ein Blickfang für die Passanten sondern eine für ihn konzeptionell und inhaltlich charakteristische Arbeit. Wir sehen einen überdimensionalen aus Holz gefertigten Euro, auf dessen Vorderseite das Foto eines breitbeinig und mit verschränkten Armen dastehenden Jungen in Cowboy- Kleidung zu sehen ist. In unserem Gedächtnis ersteht weniger ein Bild von schwer arbeitenden amerikanischen Viehhirten als vielmehr die Erinnerung an die Hollywood-Ikonen des Weste-Genres, die treffsicher für Recht und Ordnung sorgten. Wehrhaft zeigt sich auch die junge Frau in einem Werbevideo der Europäischen Union, das aufgrund von Protesten zurückgezogen wurde, im Internet aber auch noch zu sehen ist. Es läuft auf der von einer Leuchtkette umfassten Rückseite der Euromünze ab und zeigt eine hellhäutige brünette Frau, die zeitgenössisch entmythologisierte Europa, in einer menschenleeren Lagerhalle.   Nacheinander erscheinen aus dem Nichts junge Männer des asiatischen, arabischen und afrikanischen Kulturkreises und führen vor ihr bedrohliche Kampftänze auf. Da bildet sich- und jetzt wird es durch aus mythologisch- wie auf das Fingerschnippen eines technoiden Zeus ein Schutzring aus gelb gekleideten Figuren, Figurationen der EU-Staaten, in deren Sternsymbole sie übergehen zum EU-Logo mit dem Slogan „je mehr, desto stärker“. Die Kreisformen in den Videos korrespondieren formal mit der LED-Kette auf der Euro- Rückseite. Der Cowboy-Junge steht als wehrhafte Personifikation einer von Amerika dominierten westliche Welt inhaltlich den potentiellen Angreifern des Videos gegenüber. Die Rezeption gerade dieser eminent politischen Arbeit könnte allerdings einem zeitlichen Wandel unterliegen. Schließlich ändert sich der Blick des Betrachters auch und es ist eine interessante Überlegung, ob wir die Botschaft der Installation heute vielleicht anders aufnehmen als noch vor einem Jahr....

Auszug aus der Publikation  zur Ausstellung FORUMKUNST im Regierungspräsidium Karlsruhe, Text : Dr. Martina Wehlte


 

o.T. (Der Kongress, Pralinen Version)

Installation, 3-teilig, ca. 500 x 500 cm

Fotografie, Lichtbox (slide), Rollrasen, Statuenkopf, Vorhang






Gute Zeiten

Installation, 2-teilig


Plot, Titelseite einer Tageszeitung, ca. 140 x 200 cm

Fotografie, ca 30 x 40 cm



Kopfkino

Installation, 3-teilig

Die Installation kann als Bühne für ein Kopfkino des Lebens gesehen werden. Die Verführung lauert überall und es ist nicht einfach zu überblicken was wahr und was nicht wahr ist. Dadurch ist die Fähigkeit des Sehens und der Wahrnehmung ein narratives Spiel in einem Kopf voller Blumen.

Die Installation ist ein Komplex aus 3 Werken: Dekolonisierungsreiniger,  Die Ungläubigen Gläubigen,  Guckgucksuhr




Dekolonisierungsreiniger

Installation, 2019,  ca. 80 x 120 x 30 cm

Teppich  / Collage, Staubsauger lackiert 

Dekolonisierungsreiniger ist ein Mahnmal für das ökonomische Dekolonisierungskonzept der westlichen Welt. 



Die Ungläubigen Gläubigen


Die Zeichnungen sind ein ironischer Kommentar auf die Jahrhunderte lange religiöse Konflikte. Dabei ist der Mensch als Hase wie in einer Fabel als unschuldiges Tier transformiert um als Opfer zu erscheinen.



Guckgucksuhr

Installation, 2019, ca. 120 x 180cm 

Holz, Rehhörner, Video, Handgranate-attrappe, Pendeluhr

Das Objekt Guckgucksuhr kann man als einen irrationalen Kommentar für den Heimatbegriff in der globalisierten Welt verstehen. Das Auge der Versehung dient hier als ein kollektives Mysterium komplexer Zusammenhänge.  Das Motiv symbolisiert die Abgründe der Menschheit, die pure Lust an der Gewalt und Zerstörung um Ihre Gier zu befriedigen.

Wie in Stanley Kubricks Uhrwerk Orange, wo das Auge durch eine Zange zum öffnen verdammt ist, scheint die Menschheit, zuverlässig wie ein Perpetuum mobile zu Ihrer Selbstzerstörung verdammt zu sein.




Weltempfänger


Objekt aus der Rauminstallation „Die Sprachen des Textilen“

ca. 50 x 50 x 200 cm

Kleid aus ca. 100 alten Unterhemden

Globus mit Drehmotor, Büste, 

Video (Loop, Nähmaschinennadel in Dauerbetrieb)